Trainer Günter Steppich und die Basketballer des BC Wiesbaden schaffen vorzeitig den Aufstieg in die Oberliga
Von Mounir Zitouni
Wiesbaden, das ist kein Geheimnis, ist, was sportliche Erfolge von Vereinsmannschaften angeht, nicht gerade erfolgsverwöhnt, schon gar nicht in den wichtigen Mannschaftssportarten. Die Fußballer des SV Wiesbaden sind 1994 Pleite gegangen, und vor knapp zwei Jahren haben sich die Eintracht-Handballer aus der Zweiten Liga zurückgezogen. Auch der einzige Basketball-Verein in der hessischen Landeshauptstadt, der BC Wiesbaden, hat regional bisher keine größere Rolle gespielt. Doch zumindest machen die dortigen Aktiven seit einiger Zeit wieder positiv von sich reden. Stiegen sie 1999 aus der Bezirksliga in die Landesliga auf und verpassten im darauf folgenden Jahr nur sehr knapp als Zweiter den Aufstieg in die Oberliga, ist ihnen nun der Sprung in die vierthöchste Spielklasse gelungen. Und das auf ganz souveräne Art und Weise.
Ungeschlagen und somit verlustpunktfrei haben sich die Spieler von Coach Günter Steppich bereits vier Spieltage vor Saisonende die Meisterschaft gesichert. "Dass wir eine solche Runde spielen würden, kam völlig überraschend", sagt der Trainer. "Nachdem wir im letzten Jahr in der Aufstiegsrunde gescheitert waren und danach die zwei stärksten Spieler nicht mehr zur Verfügung standen, peilten wir im Grunde einen Platz irgendwo im Mittelfeld an."
Mit dem BC Wiesbaden, dem er seit 1970 angehört, verbindet Steppich eine besondere Beziehung. Der Verein ist für ihn wie ein "zweites Zuhause". Kein Tag vergeht, an dem der 41-jährige Sportlehrer nicht in der Camp-Lindsay-Halle steht, um Jung wie Alt seine Basketballkenntnisse näher zu bringen. "Man muss schon ein wenig verrückt sein und braucht eine Familie, die das unterstützt", so Steppich.
Als Zehnjähriger begann er mit dem Basketball beim BC Wiesbaden, und bereits mit 15 übte Steppich dort seinen ersten Trainerjob aus. Damals trainierte er die so genannten Minis, die zehn Jahre alten und jüngeren Kinder, und der Nachwuchs ist seitdem sein großes Steckenpferd. Schon als Spieler beim BC Wiesbaden, MTV Kronberg oder USC Mainz und auch später als Trainer in Mainz und Wiesbaden - stets war Steppich parallel als Betreuer der Wiesbadener Basketball-Kinder und -Jugendlichen tätig. "Jugendarbeit zuerst", lautet sein Motto. Das Resultat kann sich sehen lassen.
Sein 1998 entworfenes Konzept, verstärkt zwischen A-Jugend und Erster Männermannschaft zu kooperieren, hat sich mehr als bewährt. Steppich hat ein Team geformt, das ausschließlich aus eigenen Nachwuchsspielern besteht. Mit einem Altersdurchschnitt von nur 21 Jahren gehört die Mannschaft zu den jüngsten der Liga. Insofern hat auch der erneute Aufstieg für Steppich seine besondere Bedeutung.
"Die Jugendlichen, die in den Seniorenbereich kommen, brauchen eine starke Erste Herrenmannschaft, damit sie im Verein bleiben", sagt er. "In einer niedrigen Klasse verlieren gerade die jungen Spieler schnell die Lust." Doch vorläufig mangelt es an solchen dem Verein nicht. Im Gegenteil, "Kinder, die Basketball spielen wollen, gibt es genug", sagt Günter Steppich. "In Wiesbaden besteht ein riesiges Reservoir an Talenten. Es mangelt eher an Trainern, weshalb wir in den letzten Jahren auch gar nicht groß die Werbetrommel gerührt haben, da wir die Kinder sonst gar nicht unterbekommen würden."
Dass in Wiesbaden nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Nachwuchsspieler stimmt, demonstriert derzeit die ebenfalls von Steppich trainierte C-Jugend. Sie gewann die Oberliga-Meisterschaft vor Eintracht Frankfurt, dem MTV Gießen und dem EOSC Offenbach und hat sich für die an diesem Wochenende, 3. und 4. März, in Wiesbaden ausgetragenen Hessenmeisterschaften qualifiziert.
Auf eine Belohnung für so viel Tatendrang und Erfolg muss der Trainer des BC Wiesbaden jetzt auch nicht länger warten. Auf dem nächsten Verbandstag des Hessischen Basketball-Verbandes am 29. April soll Günter Steppich mit dem Titel "Jugendtrainer des Jahres" ausgezeichnet werden. Eine Ehrung, die er sich, ohne Zweifel, verdient hat.
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Frankfurter Rundschau 2001
Dokument erstellt am 02.03.2001 um 00:01:51 Uhr
Erscheinungsdatum 02.03.2001