40 Jahre BCW: 1952 -92
von Willi Rühl

Angefangen hat alles im Jahr 1948 mit einem Sportlehrer der Leibnizschule in Wiesbaden, der - ganz ungewöhnlich für die damalige Zeit - versuchte, seinen Schülern die in Deutschland fast unbekannte Sportart Basketball beizubringen.

Durch ihn kamen wir - denn seine basketballerischen Fähigkeiten waren bald erschöpft - zu einer im Nachkriegsdeutschland entstandenen amerikanischen Initiative für deutsche Jugendliche G.Y.A. (German Youth Activities).

Dort bemühten sich amerikanische Trainer uns nach dem kleinen 1x1 noch das große 1x1 des Basketballs zu vermitteln. Wir bildeten eine Mannschaft, machten Freundschaftsspiele, stellten aber bald fest, daß man in Deutschland einem Verein angehören mußte, um Rundenspiele bestreiten zu können. Also beschlossen wir einen Verein zu gründen.

Am 1. Oktober 1952 trafen sich in der Friedrichstr. 14 - dort hatten wir im G.Y.A.-Haus einen Clubraum - die 12 Mitglieder unserer Mannschaft und gründeten ganz formell den Basketball-Club-Wiesbaden.

Bei 12 Vereinsmitgliedern war natürlich fast jeder gleichzeitig auch Funktionär. Ich wurde für den Posten eines Geschäftsführers und stellvertretenden Vorsitzenden ausgeguckt.

Der Mitgliedsbeitrag belief sich auf 1.--DM/Monat.

Unser damaliger Kassenwart Michael Löffelholz (ihn hat sein Beruf nach Norddeutschland verschlagen) hatte übrigens eine ganz spezielle Kassenbuchführung entwickelt, die sogenannte Hosentaschenbuchführung (linke Tasche eigenes Geld - rechte Tasche BCW-Geld). Wir wunderten uns oft, wie unser Verein mit einem solch geringen Beitragsaufkommen über die Runden kam. Unser Kassierer muß wohl manche Clubausgabe aus der linken Tasche gezahlt haben.

Die ersten Jahre wurden mit mehr und auch mit weniger Erfolg überstanden.

1955 - es kriselte ganz schön im Verein - meldete sich ein Basketballinteressent aus Augsburg namens Walter Steppich bei uns. Ihn hatte es beruflich nach Wiesbaden verschlagen. Dieses neue Mitglied (1.6.1955) hatte aus Sicht unseres Vereins, drei beachtliche Vorteile:

1. Er hatte einen Doktortitel (macht sich für einen Vorsitzenden - als den wir ihn schon ausgeguckt hatten - sehr gut).

2. Er hatte ein Auto (für längere Zeit das einzige Auto im Verein).

3. Er hatte eine Ehefrau, die eine wesentliche Verstärkung für unsere im Aufbau befindliche Damenmannschaft war.

Trudl wurde am 1.3.1956 Mitglied. Am 1.6.1959 - wir hatten unsere Jahreshauptversammlung, an der sie wegen der Geburt von damals noch Klein-Günter nicht teilnehmen konnte, wählten wir sie in Abwesenheit zum Kassenwart des BCW. Sie ist es heute noch. Mein Kompliment!

Langsam aber sicher ging es mit unserem Verein bergauf und neue Mannschaften entstanden. Viele Mitglieder die heute noch in unserem Verein aktiv sind schlossen sich uns an:

Am 1.3.1956 Astrid Löber (damals Astrid Kessel) und ihr Bruder Reiner Kessel, am 1.4.1957 Wolfgang Pittermann, am 1.11.1958 Helga Rühl (damals Helga Berger). Auch zwei Jugendspieler - heute beide alte Herren - kamen: am 1.6.1961 Rolf Feit und am 1.12.1963 Hartmut Diederich (damals noch Schüler der Gutenbergschule, die sich zur Basketballhochburg der Wiesbadener Schulen entwickelt hatte).

Eines Tages erschien eine Frau Hofmann mit ihrem kleinen Töchterchen Rita im Damentraining. Sie wollte sich überzeugen, ob sie ihre Tochter unserem Verein anvertrauen konnte.

Anscheinend hinterließen unsere Damen einen guten Eindruck, denn Rita Hofmann ist seit dem 1.11.1964 BCW-Mitglied.

Diese Damenmannschaft, die seit der Saison 1957/58 spielte, hinterließ aber auch sportlich einen tollen Eindruck, denn sie sicherte sich 1964/65 und 1965/66 zweimal die Hessenmeisterschaft. Aus der Meistermannschaft sind heute noch 3 Spielerinnen bei den 3. Damen aktiv:

Astrid Löber, Helga Rühl und Trudl Steppich.

 

Einen Höhepunkt anderer Art in der Vereinsgeschichte stellt zweifellos die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften 1962 der Damen und Herren dar. Gespielt wurde in der damals neuen Sparthalle am Elsässer Platz. Eine organisatorische Leistung, die nur unter Mitwirkung fast aller Vereinsmitglieder zu bewältigen war.

 

Der BCW hatte als reiner Basketballverein immer mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine, uns gerade im Anschluß an die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften erfolgreich erscheinende Suche nach einem Sponsor brachte nichts. Unsere Bemühungen um eine solidere finanzielle Grundlage führten zu Fusionsverhandlungen mit Wiesbadener Großvereinen. Diese Gespräche mit der Eintracht, dem SVW und dem Turnerbund brachten uns die Erkenntnis, daß zwar jeder gerne eine komplette Basketballabteilung übernehmen würde, dafür aber nur bereit war, uns unser eigenes Beitragsaufkommen wieder zur Verfügung zu stellen. Unter diesen Bedingungen blieben wir lieber selbstständig.

Der Verein wuchs weiter. Die Mitgliederzahl war bis zum Jahr 1970 auf etwa 100 angewachsen. Die Zahl der Mannschaften hatte sich auf 11 erhöht, davon allein 6 im Nachwuchsbereich. Eine Minimannschaft entstand. Mitglieder dieser Truppe sind z.B. mit Birgit Rühl und Matthias Freimuth (Mitglieder seit 1.10.1970) heute noch als Schiedsrichterwart und Schiedsrichter für den Verein tätig.

 

Den Vorstand bildeten seit 1956 unverändert Walter Steppich, Willi Rühl und Trudl Steppich. Einige wenige mußten - genau wie heute auch noch - die ganze Vereinsarbeit machen. Vor allem Trainer waren gesuchte Leute. Ohne Hartmut Diederich wäre dieses Problem schon damals kaum zu lösen gewesen. Er war übrigens auch der Betreuer der Hessenmeister-Damenmannschaft von 1966.

Bei mir war nach fast 25-jähriger Geschäftsführertätigkeit eine gewisse Amtsmüdigkeit festzustellen. Ich suchte einen Nachfolger und konnte nach längerer Überzeugungsarbeit Rita Hofmann dazu überreden, die Frauenquote im Vorstand auf 66,7% zu erhöhen.

Das 25-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 1977 wurde gleich zu ihrer ersten großen Bewährungsprobe als neue Geschäftsführerin. Wir wollten dieses Jubiläum vor allen Dingen sportlich feiern und veranstalteten deshalb in Wiesbaden ein großes Damen-Turnier und ein international besetztes Herren-Turnier.

 

Mit 12 aktiven Mannschaften stellte der BCW - als einer von zwei ausschließlich Basketball spielenden Vereinen in Hessen - damals nach dem MTV Gießen die meisten Teams, die Zahl der Mitglieder hatte sich auf ca. 150 erhöht.

Im Frühjahr 1974 - im Verein konnten inzwischen jede Menge schöner Autos bewundert werden - erschien ein Student der Zahnmedizin mit einem himmelblauen Uralt-Käfer und wollte Mitglied werden. Wir taten ihm, und wie wir heute wissen, auch uns den Gefallen. Lutz Hausberg wurde am 1.7.1974 Mitglied im BCW.

 

Der Schwerpunkt der sportlichen Arbeit lag damals wie heute im Jugendbereich. In diesem Zusammenhang müssen die Namen Hartmut Diederich, Walter Steppich und Günter Steppich genannt werden. Sie hatten durch ihre Trainertätigkeit einen wesentlichen Anteil am Aufschwung unserer Jugendmannschaften. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, daß unsere Trainer ihre Arbeit ohne jeden Zuschuß des Vereins verrichteten. Sie stellten sogar noch ihre Autos zum Transport der betreuten Mannschaften kostenlos zur Verfügung. Im Laufe eines Jahrzehnts kamen da, Walter Steppich hat es einmal errechnet, locker 100.000 km zusammen.

 

Das sportliche Aushängeschild des Vereins waren die 1. Herren, die seit 1977 in der höchsten hessischen Spielklasse - der Oberliga - spielten. In der Saison 1981/82 konnte der 2. Tabellenplatz, der zur Teilnahme an den profilaktischen Aufstiegsspielen zur Regionalliga berechtigte, erreicht werden. Die Relegationsspiele wurden gewonnen, der Aufstieg war aber leider nicht möglich. In den folgenden zwei Jahren folgte dann, aufgrund von Trainerwechseln und Spielerabgängen, der tiefe Fall bis in die Bezirksklasse.

Für Rita Hofmann, die sich inzwischen auch in der Verbandsarbeit engagiert hatte, wurde die Doppelbelastung als Geschäftsführerin des BCW und Verbandsfunktionärin im HBV zuviel. Sie suchte einen Nachfolger, aber niemand wollte diesen "schönen" arbeitsintensiven Geschäftsführerposten haben. Letztenendes mußte ein Zufall weiterhelfen: bei der weiblichen bzw. männlichen Jugend gab es eine Spielerin und einen Spieler namens Petra und Bernd Dienel. Die beiden hatte in ihrem Vater einen Schlachtenbummler, der sie zu allen Heim- und Auswärtsspielen begleitete. Man kam ins Gespräch und Rita konnte bei der nächsten Hauptversammlung (1981) mit Horst Dienel ihren gewünschten Nachfolger vorstellen. Der BCW muß noch heute seinen beiden ehemaligen Jugendspielern für die Vermittlung eines solch engagierten Geschäftsführers danken.

1982 hatte sich die Zahl der BCW-Mannschaften auf 13 erhöht: 4 Herren-, 3 Damen- und 6 Jugendmannschaften. Die Mitgliederzahl stieg auf 164, davon 57 Jugendliche.

Das Jahr 1986 kam und mit ihm ein Wechsel im Vereinsvorsitz. Walter Steppich war der Meinung, daß 30 Jahre genug seien. Wer will es ihm verdenken. Er, der den Werdegang des BCW durch seine Arbeit wesentlich mitgestaltet hatte, trat zurück, nicht ohne sich vorher nach einem Nachfolger umgeschaut zu haben; die Jahreshauptversammlung wählte als neuen 1. Vorsitzenden einstimmig Lutz Hausberg.

1987 spielten für den BCW 14 Mannschaften: 5 Herren-, 3 Damen- und 6 Jugendmannschaften. Die Zahl der Mitglieder betrug inzwischen 205, davon 93 Jugendliche.

Zum Aushängeschild des Vereins wurde in der Saison 1986/87 die 1. Damenmannschaft, die unter ihrem Trainer Dieter Brill in die Regionalliga aufstieg. In dieser Klasse konnte sie sich erfolgreich bis zur Saison 1990/91 behaupten, mußte dann aber leider wieder in die Oberliga zurückkehren.

Für die nächste Saison steht, wie ihr ja sicher bereits alle wißt, ein neues Aushängeschild ins Haus. Vom USC Mainz kommt mit ihrem Trainer Günter Steppich (fast) die gesamte Regionalliga-Herrenmannschaft zu uns. Zu seinem 40-jährigen Jubiläum wird der BCW dann mit 15 Mannschaften in den verschiedenen Ligen vertreten sein: der Mitgliederbestand ist auf insgesamt 263 angewachsen. 116 Jugendspieler lassen den Schwerpunkt Jugendarbeit deutlicher denn je hervortreten.

BCW mach' weiter so!

Bleibe ein Verein, der sich vor allen Dingen sportlichen Belangen verpflichtet fühlt.

Lasse dich nie in Versuchung führen, den älteren Mitgliedern mit silbernen oder goldenen Vereinsnadeln den "Bauch pinseln" zu wollen.

Die Alten - ich weiß es aus eigener Erfahrung - haben zwar nicht mehr so elastische Knochen, aber sie spielen noch sehr, sehr gerne Basketball, natürlich nur beim BCW.

Ich bin stolz, 40 Jahre Mitglied in diesem Verein zu sein.

Willi Rühl

 

P.S.

Beinahe hätte ich vergessen, daß der BCW sich auch als Eheanbahnungsinstitut - bisher ohne jede Reklamation - bestens bewährt hat:

Helga und Willi Rühl (1959),

Brigitte und Hartmut Diederich (1976),

Heike und Reiner Stypa (1987),

Heike und Steffen Engel (1991),

Sandra und Dieter Brill (1991),

Rita Hofmann und Dirk Reese (19??) können das bestätigen.